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Flamme Infernale

Europäische Heldinnen- Kantaten des 17./18. Jahrhunderts

Wir werfen einen Blick nach Frankreich: Wie werden hier von den großen französischen Komponisten Händels Heldinnen dargestellt und in Szene gesetzt? In Frankreich dominiert die französische Kantate in kleiner kammermusikalischer Besetzung mit Gesangsstimme, Cembalo und Gambe und oft der Simphonie“, d. h. Flöte und/oder Violine. Die Themen stammten aus der griechischen Mythologie. So treten, wie in Händels großen Opern auch die großen mythischen Frauenfiguren auf.

 

Girardeau vs. Grimaldi

Während Isabella Girardeau und Nicolo Grimaldi auf der Bühne bei der Premiere zu Händels "Rinaldo"als Protagonisten Almirena und Rinaldo ein verlobtes Paar mimten, so herrschte doch - fernab des Publikums, im Hintergrund des Opernbetriebes am Haymarket - ein Konkurrenzkampf der beiden (und nicht nur dieser beiden) Akteure. Doch wer ist nun der beste Sänger und lässt sich das objektiv belegen? Oder: wenn wir dies herausfinden wollen, welchen Weg schlagen wir ein? Ein Sänger von hoher Qualität bekam und bekommt noch heute die Rollen auf den Leib komponiert; und umgekehrt: die Güte der Komponisten zeichnet gleichzeitig zumindest die Qualität des Sängers als Musiker aus. Wer waren also die Komponisten, die für Girardeau und Grimaldi komponierten?
Einige wenige stellen wir in diesem Programm einander kammermusikalisch gegenüber: die moderneren wie Hasse und Pergolesi, die Grimaldi verpflichteten und die traditionelleren wie Bononcini und Mancini, die Girardeau zugeneigt waren. Jeder dieser Komponisten, soviel wird man hören, ist herausragend in seiner Art der Tonsatzkunst. Welcher aber die bessere Wirkung tut, das kann nur jedes Herz für sich entscheiden.

 

Wahrer und thätiger Freund
Ansbach, Leipzig, Dresden, Berlin- das abenteuerliche Leben des Herrn P.

1696: der Markgraf von Ansbach nimmt einen talentierten Knabensopran in seine Hofkapelle auf. Beim berühmten Geiger Corelli erhält der junge Johann Georg Pisendel Violinunterricht. Ein paar Jahre später tritt er aus den markgräflichen Diensten aus und begibt sich auf Reisen, wo er die berühmtesten Musiker seiner Zeit trifft, so  z. B Telemann in Leipzig.  1712 tritt er schließlich eine Anstellung in der berühmten Dresdner Hofkapelle an.  Dort findet sich heute im legendären Schrank II eine umfangreiche Notensammlung Pisendels. In diesem Programm zeichnet  das Ensemble „La Tirata“ die Lebensstationen des wohl talentiertesten Geigers seiner Epoche nach- mit Werken von ihm, aus  der Sammlung in Dresden und Zeitgenossen, die ihn durch sein Schaffen begleitet haben. Je nach Wunsch kann das Konzert auch moderiert werden.

Werke von: Johann Georg Pisendel, Georg Philipp Telemann, Johann David Heinichen, Johann Joachim Quantz Besetzung: Traversflöte, Barockoboe, Barockvioline, Viola da Gamba, Cembalo

 

Le Parfum Ottoman- Turquerien im 18. Jahrhundert

Dresden 1719. Die Hochzeit des Sohnes des Kurfürsten August des Starken mit der Kaisertochter stellt alles in den Schatten, was die barocke Welt bis dahin erlebt hatte. Nicht nur, dass sie 4 Millionen Taler kostete. Auch die Ausstattung war einmalig, denn die vom 2. bis zum 29. September in Dresden abgehaltenen Feierlichkeiten wurden komplett im türkischen Stil zelebriert. Jahrhundertelang hatte die Expansionspolitik des Osmanischen Reiches Europa in Atem gehalten, nun, nach der zweiten Wien-Belagerung obsiegte die Faszination für die fremde Kultur. Damen bei Hofe hüllten sich in Gewänder im Stil von Haremsdamen, ganze Janitscharenkapellen wanderten als Geschenk des Sultans an europäische Höfe, wo sie bis weit in die Klassik hinein vielfältig die musikalische Stilistik beeinflussen sollten. Auch die aus der Türkei importierte Tulpe trat ihren Siegeszug in europäischen Gärten an, die Epoche war komplett der Turkomanie verfallen.

Für dieses Programm hat sich La Tirata von zwei Inspirationen leiten lassen. Zum einen von den glanzvollen Dresdner Hochzeitsfeierlichkeiten, zu denen sogar Georg Friedrich Händel aus London und Georg Philipp Telemann angereist waren und für die Heinichen, Lotti und anderen renommierte Komponisten aus ganz Europa Werke vom großen Oratorium bis zur intimen Kammermusik beigesteuert hatten. Zum anderen von einem Kupferstich aus Dresden, der fast genau die Besetzung von La Tirata in türkische Gewänder gehüllt zeigt.

Statt großen Pomp setzt La Tirata in diesem Programm jedoch eher auf die feinen, kammermusikalischen Töne, wie sie in türkischen Kammern und bei der beliebten Kaffeezeremonie und geselligem Beisammensein mit allerlei anderen morgenländischen Köstlichkeiten erklungen sein mögen. Dabei widmet sich das Ensemble auch Werken, die sich inspiriert von allerlei Turquerien zeigen, sei es in stilistischer oder imaginärer Weise, wie Corettes "Concert Turque" oder die Triosonate "Da pena dall'oriente" zeigen. So weitet sich der Blick auf eine bislang unbekannte Facette der Barockzeit.

 

Werke von: Heinichen, Telemann, Händel, Corrette und anderen.